Spielzeugreduzierung

Vorneweg: wir sind alle gesund! Der Frühling ist nach einem kleinen Wintereinbruch wieder da und meine Schwester war mit meinem Neffen ein paar Tage zu Besuch. Es ging mir sehr gut und das darf jetzt bitte so weiter gehen 🙂

Vor zwei Wochen las ich einen Artikel in einer Zeitschrift über eine Mutter, die genervt war von dem ewigen aufräumen im Kinderzimmer. Von den Unmengen an Spielsachen, die die Kinder ohne überhaupt damit zu spielen einfach rausreißen und sich dann fröhlich der nächsten Kiste widmen um diese zu entleeren. Das kam mir doch alles sehr bekannt vor! Und diese Mutter hat sich dann entschieden ihren Kindern recht radikal alle Spielsachen außer Reichweite zu räumen. Das nennt sich dann Spielzeugfreies Kinderzimmer, hier findet ihr ihren Blog den ich auch ganz interessant fand zu lesen. Aber so ganz Spielzeugfrei stimmt eigentlich nicht. Denn die Kinder dürfen sich etwas aussuchen und dieses in regelmäßigen oder auch unregelmäßigen Abständen wieder austauschen. Sie beschreibt dort, dass vieles ganz aus den Gedanken der Kinder verschwindet, einiges aber nach langer Zeit plötzlich wieder verlangt wird. Das klang alles ganz spannend und ich ließ den Gedanken ein paar Tage in mir arbeiten.

Letzten Freitag hatte ich den Vormittag frei und habe mich dann ganz spontan ans Werk gemacht. So sah das Zimmer übrigens vorher aus:

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In der Ecke hinter der Tür stapelten sich diverse Sachen, man kam gar nicht richtig an die Sachen die sich dort im Regal befanden. Es sah immer unordentlich aus. Das Regal wurde insgesamt oft als Ablagefläche verwendet und es stand eine ganz fürchterliche Frisurpuppe herum, eine Motorikschleife die nie verwendet wurde, 10 Puzzle die der Sohn mit Vorliebe mindestens einmal täglich raus geworfen hat ohne sie zu puzzeln (mein tägliches Abendprogramm), zu viele Brettspiele die unübersichtlich im höchsten Regal liegen, damit der Sohn sie nicht ausräumt. Die Kisten in der untersten Reihe sind so gut wie nie rausgeholt worden. In der 1. ist Duplo, in der 2. „sonstiges“ was eigentlich bedeutet: damit spielt nie jemand mit, in der 3. Puppensachen, in der 4. Kuscheltiere (die nie bespielt werden, die richtigen lieb gewonnenen befinden sich im Bett) und in der 5. waren nie bespielte Holzbausteine. Im Flur stand noch eine weitere mit Playmobil 123. Ich habe immer wieder versucht Ordnung in das Chaos zu bringen oder mal Sachen weggegeben und aussortiert. Aber von einigem konnte ich mich nicht trennen „da hängen Erinnerungen dran“, „das hat aber doch der XY geschenkt…“. Aber Fakt ist: die Kinder spielten nicht damit, es war alles ein Sammelsurium an Geschenken und Erbstücken oder auch pädagogisch total sinnvolles Spielzeug, welches die Kinder nicht angenommen haben. Hier wirklich einen Cut zu machen und „alles“ wegzuräumen war eine kleine Überwindung – aber es tat so gut! Ich packte also alles in Kisten oder nahm die Kisten wie sie waren und verstaute sie bei uns im Kleiderschrank (vorübergehend, solange bis ich das besser einschätzen kann mit dem Austauschen). Dann waren die Fächer leer  und sauber. Ein sehr befreiendes Gefühl. Vor allem auch der Boden war sauber. Herrlich. Dann habe ich gut überlegt was lasse ich den Kindern, womit spielen sie wirklich gerne?

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Ich habe mich dann entschieden das Playmobilhaus aus dem Wohnzimmer zu holen. Das stand da seit Weihnachten und wurde gerne bespielt – aber der ganze Krusch dort nervte mich. Endlich Platz! Die Bücher sind geblieben – die gehören für mich in ein Kinderzimmer – wobei wir nochmal so viele im Wohnzimmer Regal zum vorlesen haben. Dann dachte ich nach, womit der Sohn gerne spielt – er wird mir ja nicht sagen können, was er haben möchte. Dann habe ich die Schleichtiere in eine kleine Kiste ins untere Regalfach gestellt – damit spielen beide gerne. Daneben sind 2 kleine Spielkoffer, weil sie gerne „Urlaub fahren“ spielen, in der Kiste sind ein paar Tücher, der Hüpfball ist in einem Regalfach und nicht mehr auf dem Boden, in den Schubladenfächern habe ich Bastelbücher und so kleine Heftchen, dann ein ausgewähltes Puzzle das vielleicht mehr dazu einlädt mal eins zu machen, ein Stapelturm, 1 Brettspiel. Ich plane diese häufiger mal auszutauschen. In der Krippe haben die da ein ganz ähnliches System ist mir aufgefallen. 20160429_115219

Im Treppenregal ist die Briobahn und noch Malsachen, die ich nun auch besser sortieren konnte, außerdem ein Magnetspiel das vorher in einem Extra Karton gar keine Beachtung fand.
Auf dem Kleiderschrank befindet sich eine Autokiste, das Parkhaus, der Arztkoffer und ein paar Brettspiele. Die Kinder kommen nicht selbstständig dran, aber können sie sehen und bei Bedarf hole ich es gerne herunter. Der Kindertisch blieb stehen. Dort wird gerne gelesen, gebastelt und gespielt. Unsere Spielküche steht übrigens in unserer Küche und im Wohnzimmer befindet sich das Schaukelpferd und eine Kugelbahn.

Wie haben sie reagiert?
Ich war sehr gespannt, wie die Reaktionen sein werden und wie sich das System im Alltag bewährt. Die Große kam aus dem Kindergarten und bemerkte nur, dass „Mama aufgeräumt“ hat und das ihr Playmobilhaus jetzt im Kinderzimmer steht. Sie hat sofort angefangen damit zu spielen. Der Sohn hat meiner Meinung nach eigentlich gar nichts bemerkt. Tja und ich wartete gespannt, wann denn die Nachfrage kommt „wo sind meine Sachen?“ „Warum hast du mir das oder jenes weggenommen“. Aber ich warte immer noch. Vielleicht hat sie es gemerkt, vielleicht auch nicht. Auf jeden Fall vermisst sie nichts. Also eigentlich macht sie seit Wochen nichts anderes als Bibi & Tina zu hören. Ich war aber doch sehr erstaunt, dass sie es so gar nicht juckt. Heute ist schließlich Tag 4 nach der Aktion. Ich habe ihr dementsprechend auch noch nicht das Spielzeuglager und die Regel mit dem Austauschen erklärt. Faszinierend.

Was hat sich für mich geändert?
Es ist tatsächlich schneller ausgeräumt. Das Kinderzimmer wirkt luftiger, nicht mehr so zugestellt. Gestern fragte mich mein Mann „hast du gesaugt?“. Nein, im Gegenteil ich dachte mir „ich müsste mal wieder“. Aber was er meinte war dieses aufgeräumte, offene Gefühl. Alles hat seinen Platz – keine Notlösungen mehr. Der Sohn reißt nicht mehr wahllos alles raus, weil es nichts mehr gibt. Er hat das einzige Puzzle bis jetzt unbeachtet liegen gelassen (er ist nicht so der puzzler), und interessanterweise sind die Schleichtiere auch nicht mehr berührt worden. Er schaut eigentlich am liebsten Bücher an, fährt mit dem Wutsch umher oder jagt sonst wie durch die Wohnung. Auf jeden Fall war es ein Schritt in die richtige Richtung, mal sehen, wie es weiter geht.

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Ein Gedanke zu “Spielzeugreduzierung

  1. Schaut gut aus und es macht wirklich Sinn. Die Kids brauchen ja doch nicht so viel, es gibt oft einige Lieblingsspielsachen und der Rest liegt im Weg.

    Ich sehe immer zu, dass wir nicht zu viel haben, was nicht ankommt oder nicht mehr ankommt, kommt weg, wird verschenkt oder verkauft. Gerade Kuscheltiere habe ich gnadenlos aussortiert, die Stauben ja eh nur ein.

    Wir haben es schon vor einiger Zeit eingeführt, dass wir einmal die Woche oder auch mal nach 2 Wochen die Spielsachen und Bücher austauschen. Dann wird es für uns alle wieder spannend und es liegt einfach nicht so viel rum.

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